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Pokorny's dictionary :

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\data\ie\pokorny
Number: 581
Root: gēu-, gǝu-, gū-
English meaning: to bend, curl; a k. of vessel
German meaning: `biegen, krümmen, wolben'
Derivatives: Nominalbildungen: gudo-m `Darm, Eingeweide', gut-r̥ `Kehle, Hals', gugā `Kugel, Buckel', geu-lo-s `rundes Gefäß, Kugel', gou-no-m `Gekräuseltes, Gewölbtes', gupā `Erdhöhle, Stall', geu-ro-s, gou-ro-s `gekräuseltes (Haar, Welle)', gur-no-s `Rücken, Hüfte', gū-ro-s `rund, gekrümmt'.
Material: Unerweitert wohl in gou̯ǝ- : gū- `Hand', s. dort; ferner norw. kaa `das Heu umdrehen, wenden', anord. `die Ruhe stören' (*kawōn); kā-beinn `krummbeinig' (*gou̯o-; air. gāu, `Lüge', falls aus *gōu̯ā, hierher, sonst mit lat. haud zu verbinden); über gr. γύης, γυι̃ον s. unten S. 398, über γύαλον s. unten S. 397.

    a. Dentalerweiterungeu :

    gud-, geud- (vereinzelt gu̯-ed-?), vor allem im Germ.; gudo-m `Darm'.

    Ai. gudám `Darm';

    maked. γόδα ἔντερα Μακεδόνες Hes.;

    ndd. küt `Darm', nhd. bair. kütz `ein Teil der Gedärme'; ndd. küt, küte auch `Eingeweide kleinerer Tiere, Rogenbeutel; Wade; Tasche, Beutel', mnd. kūt `Weichteile im Tierkörper, Rogenbeutel, Wade', holl. kuit (*kūt-) und kiete (*keot-) `Fischrogen; Wade', engl. mdartl. kyte, kite `Bauch, Magen' (vgl. zur Bedeutung unten qiþus);

    afries. kāte (*kaut-) `Knöchel', mnd. kōte, kūte `Huf, Klauen, bei Pferden das Fußgelenk', ndd. (und entlehnt nhd.) Kote, Köte `Knöchel, Fessel der Pferde', Demin. mnd. kötel, nd. Kötel (aus *kutil) `rundliche Exkremente z. B. von Ziegen, Pferden', mndl. cotel, holl. keutel `ds., Kegel, Knirps';

    norw. dial. kyta `Buckel, aufgebauschte Falte, Anschwellung an einem feisten Körper, sackförmige Erweiterung eines Netzes', schwed. dial. kūta `mit gekrümmtem Rücken gehen oder laufen', nhd. kauzen = kauern (`sich zusammenkrümmen'), geminiert schwed. kott(e) `Tannenzapfen', dial. kutte, kutting `kleiner feister Knabe';

    mit dem Begriff der Einbiegung, Höhlung: ndd. kūte `Grube', mhd. kūz, nhd. Kauz `Grube als Gerichtsstätte' (formell = norw. dial. kūt `Verkrüppelung im Wuchs', schwed. dial. `Knolle, Buckel'; mhd. kūte `Grube, Loch', nhd. mdartl. Kaute ds. wohl aus dem Ndd.); norw. dial. køyta `Einsenkung im Erdboden, Pfütze; Gefäß, worin man Fische trägt' (*kauti-) = mhd. kætze, nhd. mdartl. Kötze `Ruckkorb', ags. cȳte `Hütte, Haus, Lager' ( = īe) = norw. køyta `Waldhütte aus Zweigen', vgl. nhd. dial. kieze `Bastkorb' (-eu-), ags. cȳt-wer `Fischreuse' mit expressiver Geminata mnd. usw. kutte `cunnus' (mhd. kotze `meretrix'); Loch = schlechte Wohn- oder Liegerstatt: ndd. (und entlehnt nhd.) kot, kote `Schuppen, Stall, Hütte', mndl. cot, cote `Höhle, Lagerwilder Tiere, Stall, schlechte Hütte', ags. cot `(Räuber-) Höhle, Haus, Lager', anord. kot `kleine Hütte', kytia ds.;

    nasaliert anord. kunta `vulva' aus mnd. kunte `cunnus; auch Hinterer', norw. schwed. kunt `Ranzen (von Birkenrinde)'; auch av. gunda-, gundā `Teigballen'?

    gū̆-t-, geu-t-; über gu̯-et- siehe besonderen Artikel; gut-r̥ `Kehle'.

    Lat. guttur (*gūtṛ, Bildung wie hitt. kuttar); n. (bei Plautus m.) `Gurgel, Kehle', guttura (Plin.) `dicke Hälse, Geschwülste am Hals';

    dazu als `hautsackartige Gebilde am Hals' u. dgl.:

    geut- in ags. cēod(a) m. `Sack, Tasche', ahd. kiot ds., mnd. kǖdel `Tasche', mhd. kiutel `Wamme, Unterkinn', nhd. Keutel `Fischnetz, Darm, Geschwulst';

    gut- in mnd. koder m., nhd. dial. Köderl, Goderl (*gut-ro-) `Unterkinn, Kropf', ndd. koden ds., engl. cud `das Innere des Schlundes bei Wiederkäuern', ndl. kossem `Unterkinn' (*gutsmo-), norw. kusma `parotitis'; mhd. kuteln, nhd. Kutteln `Kaldaunen';

    mit expressivem dd: ags. codd m. `Hülse, Schote, Sack', aisl. koddi `Kissen, Hode'; vielleicht ahd. kutti `Herde', nhd. Kette, bair. kütt `Schar jagdbarer Tiere';

    hitt. ku-u-tar (kuttar), Dat. ku-ut-ta-ni (kuttani) n. `Nacken, Oberarm' (= lat. guttur, s. oben); kuttanalli `Halskette'.

    b. Gutturalerweiterungen; gugā `Kugel'.

    Mhd. kugel(e), nhd. Kugel, mnd. holl. kogel ds., nhd. dial. Kogel `runde Bergkuppe' (Persson Beitr. 113); rhein. Klugel, Krugel nach Persson wohl erst durch Verquickung mit kliuwel und Klüngel;

    mit gg: ags. cyćǵel, engl. cudgel (*kuggila) `Knüttel', anord. kuggr aus mnd. kogge, engl. cog `breites, plumpes Seeschiff';

    mit germ. k: isl. kjūka `Fingerknöchel', norw. kjūka `Klumpen', kokle, kukle `Klumpen', kokla (und kogla), kokul `Fruchtzapfen der Nadelbäume'; ags. cyćel, nengl. dial. kitchel `kleiner Kuchen'; dazu anord. kjūklingr mit `Gänschen', ags. ćiećen, nengl. chicken, mnd. kǖken, nhd. Küchlein `Hühnchen';

    mit germ. kk: ahd. coccho, nhd. mdartl. Kocke `Haufen, Heuhaufen, Misthaufen', dän. kok(k) `Haufen, Heuhaufen';

    lit. gugà f. `Knopf, Buckel, Hügel', gaũgaras m. `Gipfel eines Berges';

    russ. gúglja, poln. guga `Beule' (Persson Beitr. 937); aber lit. gúogė, gógė f. `Kopf', gõgas m. `Widerrist des Pferdes', wohl nicht aus dehnstufigem *[u]-g-; anders darüber Trautmann KZ. 43, 176;

    mit --:

    npers. gūzak `Fußknöchel' (?);

    lit. gùžas `Knorren, Beule, Kropf', gūžỹs `Kropf', gaũžė `Kopf', lett. gũza, guza `Kropf', guzma `Haufen, Höcker', gũža `Hüfte, Lende, Keule beim Braten';

    ačech. hýžě `Hüfte, Oberschenkel', poln. giża, giza `Knochenkopf am Schienbein u. dgl.' (auch ksl. gyža vinьnaja `Weinstock', serb. gidža ds. als `Knorren, Knorrengewächs'); wahrscheinlicher hierher als zu *geng- (s. dort), poln. guz `Beule, Höcker', guza `Hinterer', sloven. gúza `Hinterer, Höcker', wie z. T. wohl auch andere, an sich auch mit guz = gǫz- ansetzbare Worte (s. *geng-); doppeldeutig sind auch die Worte mit balt. (gunž-) gūž- wie gunžỹs, gūžỹs `Kropf bei Vögeln, Kopf des Oberschenkelknochens' usw.; s. Mühlenbach-Endzelin Lett.-D. Wb. I 685, 687;

    neben lett. gū̆za, guzma stehen kuza `Haufen', kuzma `Hühnerkropf', die formantisch mit guza usw. im Zusammenhang stehen, im anlaut. k- aber ein mit av. fra-, apa-kava- `vorn, hinten mit einem Höcker' und der Sippe qeu- `biegen, wölben' zusammenhängendes Wort zur Voraussetzung haben;

    über das von slav. guz- nicht sicher zu trennende gǫz- s. unter geng-.

    c. Labialerweiterungen; gupā `Erdhöhle'.

    Gr. γύπη `Erdhöhle, Schlupfwinkel, Geiernest' (Hes.); γύψ, γῡπός `Geier' (vom krummen Schnabel oder den krummen Klauen, wie γρύψ zu γρυπός `gekrümmt');

    ahd. chubisi `tugurium', mhd. kobe `Stall, Schweinestall, Käfig, Höhlung', nhd. Koben `kleines, schlechtes Gemach oder Gebäude, Schweinestall' (dazu mhd. kobolt, nhd. Kobold, z.B. Kluge11 315), ags. cofa (engl. cove) `Kammer, Versteck, Höhle' (daraus anord. kofi `Kammer, Zelle'), westfäl. küffe (*kufjō) `schlechte Hütte'; Grundbed. `Loch in der Erde als Wohngrube', eigentl. `Einwölbung', ndd. Kübbung `Anbau'; mhd. nhd. Kober `Korb'; holl. kub, kubbe `Fischreuse'; mhd. kobel m. `(gewölbter) Kasten, enges schlechtes Haus, Stall'; hingegen stammen mhd. kobel n. `Felsenschlucht', kofel `Bergkuppe', nhd. bair.-allem. Kofel, Kobel, Gufel, rätorom. cúvel, ital. cóvolo `Höhle, Felswand' aus lat. *cubulum (zu cubāre) `Lagerstätte des Viehs' (Zinsli, Grund u. Grat 322) und ahd. miluh-chubilī `Milchkübel', mhd. kübel, nhd. Kübel wohl aus mlat. cupellus;

    anord. kūfr `runde Spitze, Haufen', norw. kūven `rundlich, gewölbt' (davon norw. kuva, kyva `abrunden, abstumpfen', vgl. auch schwed. kuffa `bändigen, stoßen = ndd. kuffen `stoßen, ohrfeigen'), holl. kuif (mndl. *cūve) `Federbusch, Schopf, Haube, Baumwipfel' (vgl. in ähnlicher Bed. frühnhd. Kaupe `Federbusch, eigentlich Haube, auf dem Kopf der Vögel' aus ahd. *kūba, wohl aus der rom. Sippe von cūpa, ebenso ags. cȳf `Faß, Tonne', as. kūvīn `Faß', vgl. frz. cuve aus lat. cūpa `Kufe');

    germ. *kubb-: westflämisch kobbe `Federhüschel, buschiges Нaar, Hutkopf', aisl. kobbi m. `Seehund', bair. koppen `buschige Krone eines Nadelbaumes', engl. cub `Junges', cob `runder Klumpen, Kopf, Spinne', vermutlich auch isl. kubbur, kubbi `Klotz, Stumpf' (dazu schwed. isl. norw. kubba `abhauen');

    germ. *kūp-: norw. dial. kūp `Buckel', schwed. kupa `halbkugelförmiges Gehäuse, Bienenkorb' u. dgl.; schwed. kypa `rundes Gefäß aus Stroh', ndd. küpe `großer Tragkorb', engl. dial. kipe (ags. *cȳpe) `geflochtene Fischreuse, Korb'; ablautend norw. dial. kaup `hölzerne Kanne', kaupa `Knolle';

    hingegen stammen wohl aus lat. cuppa f. `Becher': ags. copp m. `Gipfel, Becher' (mengl. auch `Kopf), cupp m., cuppe f. `Becher', nhd. (eigentlich md.) Koppe `Kamm (Haube) der Vögel', Koppe, Kuppe, `runder Berggipfel', mhd. kuppe, ahd. chuppa `Kopfbedeckung' (mit expressiver Verschärfung ahd. chuppha ds., mhd. kupfe, kuffe, gupfe ds., gupf, gupfe m. `Gipfel eines Berges, Spitze des Turmes', worin g- wohl Substitution für roman. c-; anord. koppr `Kopf, Gefäß, Helmknopf, Augenhöhle' ist Lw. aus mnd. kopp); afries. mnd. kopp `Becher', ahd. kopf, chuph `Becher', mhd. kopf `Trinkgefäß, Hirnschale, Kopf' (ähnlich rom. testa `Kopf' aus lat. testa `Scherbe, Schale', mlat. testa capitis), nhd. Kopf.

    Nasaliertes germ. *kumb-: ags. cumb (engl. coomb) `Napf' (in der Bed. `Tal' aus abrit.*kumbo-s `Tal'), mnd. kumm(e) f. `rundes, tiefes Gefäß, Kufe, Napf', nhd. Kumme `tiefe Schale', schweiz. chumme `Zisterne'; *kump- (aus *kumb- mit Kons.-Schärfung) mnd. kump, mhd. kumpf `Gefäß, Tasse', nhd. Kumpf.

    Dazu vielleicht npers. gumbed `Wölbung, Kuppel, Becher';

    ferner vermutlich lit. gum̃bas m. `Wölbung, Geschwulst, Knorren'; lett. gum̃ba `Geschwulst';

    aksl. gǫba `Schwamm, Pilz', skr. gȕba `Schwamm, Aussatz', sloven. gǫ́ba `Schwamm, Pilz', gôbec m. `Maul', аčеch. húba `Schwamm', jünger `Maul, Lippe', russ. gubá `Baumschwamm'; daneben gúba `Lippe'; im Slav. liegt Intonationswechsel vor, die Bedeutung `Maul' ist überall jünger.

    Unter einer Grundbed. `bergen' wurde nhd. Koben verbunden mit av. gufra- `tief; geheimnisvoll, wunderbar', angeblich ursprünglich `in eine Grube versenkt'?

    d. Mit l-Suffixen; geu-lo-s `rundes Gefäß'.

    Ai. gōla- `Kugel', gōlā, gōlam `Ball, runder Wasserkrug'; vielleicht ai. gula-ḥ, gulī, gulikā `Kugel, Kügelchen, Spielball' (oder als gel- zu *gel- `ballen');

    arm. kalum `ich nehme, fasse' (*gu̯e);

    gr. γυλιός `längliche Tasche' (auch γογ-γύλος? s. gong-; über γωλεός s. unter *gol- `liegen');

    gr. γύαλον `Höhlung des Panzers', später `Schlucht', meg. γυάλᾱς `Trinkbecher', ἐγγυαλίζω `händige ein' (vgl. zu letzterem ἐγγυάω unter *gou̯ǝ-) können auch als *γυσαλο- von der s-Erw. *g(e)u-s- stammen;

    lat. vola f. `Höhlung der Hand, des Fußes' (*gu̯-elā);

    ahd. kiol, ags. cēol, anord. kjōll m. `(*rundliches) Fahrzeug, Schiff' (die jüngere Bed. `Kiel' durch Einfluß von anord. kjǫlr `Kiel'; germ. *keula- = ai. gōla-), ahd. kiulla `Tasche'; ags. cȳll(e) `Schlauch, Gefäß', entlehnt aus lat. culleus; woraus finn. keula `Steven', anord. kȳll m. `Sack, Tasche' (ndl. kuil `der mittlere, sackförmige Teil eines Netzes' aber nach. Franckvan Wijk Wb. 356 aus andl. kuidel von der t-Erw. der Wz.); ahd. kūli, mhd. kiule, nhd. Keule (urgerm. *kūlōn-) `Stock mit dickem kugelförmigem Ende', mnd. kūle `Keule, keulenförmiges Gefäß, Hode, Geschwulst, Kaulquappe; (konkav:) `Grube, Höhle' (letztere Bed. auch in mhd. kūle, nhd. (md.) kaule und aschwed. kūla), mhd. kūle, nhd. Kaule `Kugel, kugelförmiger Gegenstand', nhd. Kaulquappe (vom kugelförmigen Aussehen), anord. kūla `Beule, Kugel'; nhd. mdartl. kulle `Kugel, Rolle, Walze', kullern, kollern `rollen, kugeln' (: gr. γυλλός κύβος ἤ τετράγωνοςλίθος Hes. mit Verblassen der Bed. des runden?); vermutlich auch anord. kollr m. `abgerundeter Gipfel, Kopf', mnd. kol, kolle m. `Kopf, oberster Teil von Pflanzen', nhd. küllbock und (hochstufig) kielbock `hornloser Bock', vgl. alb. tsjap gul `hornloser Bock'; norw. køyla (*kauliōn) `Rinne, Kanal'.

    e. Mit n-Suffix; gou-no-m `Gekräuseltes, Gewölbtes'.

    Av. gaona- n. `Haar (bes. der Tiere); (Haar)farbe' (vgl. oben lit. gauraĩ usw.);

    speziell germ. Bildung anord. kaun n. `Beule', mnl. coon f. `Kiefer, Kinnbacken', nld. koon `Wange' (*kaunō); dazu got. kuna-wida `Fessel' (`gekrümmter Strick', zu ahd. widi `Strick').

    f. Mit r-Suffixen; geu-ro-s, gou-ro-s, gū-ro-s, gur-no-s.

    Arm. kuṙn Gen., kṙan `Rücken' (= lit. gur̃nas), kr-ukn, Gen. krkan `Ferse', kur, Gen. kri `Boot, Kahn', auch `Becken, Napf, Pfanne'; kray (*gūrāti-) `Schildkröte'; o-stufig kor (*gou̯-ero- oder -ero-) `gekrümmt, gebogen; verkehrt', kori `Kanal', koriz `Geschwulst; Obstkern, Samenkorn';

    gr. γῡρός `rund, ausgebogen', γυ̃ρος `Rundung, Kreis, runde Grube', γῡρόω `krümme', γυρι̃νος oder γύρῑνος `Kaulquappe' (wie mnd. kū-le, nhd. Kaulquappe, s. oben);

    mir. gūaire `Haar' (ursprüngl. `*Kraushaar', vgl.:) nir. guairneán `Wirbelwind';

    norw. kaure `krause Locke (bes. von Wolle)', kaur `gekräuselte Welle' (idg. *gou-ro-; daneben germ. *kau̯-ara- in:) anord. kārr m. `krause Locke', kāri `das Wasser kräuselnder Windstoß', norw. kåre `Hobelspan'; mit -eu- das germ. Lehnwort finn. keuru `curvus'; mit ū (vgl. γῡρός und die ū̆ enthaltenden arm. Worte) norw. kūra `sich zusammenkauern; ruhen', mnd. kūren `(dem Wild) auflauern', nhd. kauern; mit Anwendung von Gerinnen der Milch norw. kjøre (*keuran-) `Käse im ersten Zustand', kūr (*kūra-) `ds., geronnene Milch', køyr (*kauri-) `Käsemasse von säuerlicher Milch', kaara (*kau̯arōn) `gerinnen, käsig werden' (fraglich hingegen sloven. usw. žûr `Molken' wegen der auf weisenden Nebenform sloven. zûra, zộra `Molken');

    lit. gaũras m., meist Pl. gauraĩ `Haar am Körper, Flachsfaser', lett. gauri m. Pl. `Schamhaare' (vgl. oben av. gaona- n. `Haar'); lit. gur̃nas m. `Hüfte, Fußknöchel', lett. gùrus `Hüfte, Gabel am Spinnrad' (= arm. kuṙn); lit. gū̃rinti, gūrúoti `gekrümmt gehen', lett. gūrâties, guôrîties `sich rekeln'; lit. kálno gùras m. `Bergvorsprung';

    serb. gȕra f. `Höcker', gȕriti se `sich zusammenziehen, krümmen'; ob hierher skr. žúriti se `sich eilen'?; s. auch unter ĝeu- `fördern, eilen'; auch bulg. gúrkam, gúrnъ `tauche ins Wasser'?; die Intonation erforderte *gōurā oder *gou̯e (vgl. oben anord. kārr usw.).

    g. Mit s-Suffixen:

    npers. gōšā `Winkel, Ecke';

    gr. γύης `Krummholz am Pflug', ἄροτρον αὑτόγυον `Pflug, an dem Krummholz und Scharbaum noch aus einem Stück bestanden' (s-Suffix unsicher), wozu γύης `Ackermaß' (*γυ[σ]ᾱς-, aber auch *γυᾱς- möglich); gr. γυι̃ον `Glied Arm und Bein', μητρὸς γυι̃α `Schoß', γυιόω `lähme', woraus γυιός `gliederlahm' (Grdf. *γυσ-ι̯ον; oder γυ-ι̯ον? ders. Zweifel bei γύαλον, s. oben), γαυσός `krumm, auswarts gekrümmt (von Beinen)', γαυσόομαι `krümme mich' (aber γαυσάδας ψευδής Hes. vielleicht galatisch, zu air. gáu `Lüge'?) kann σ nach andern Adj. auf -σός für `gekrümmt' bewahrt haben, doch ist auch das αυ schwierig, da ein Ablaut *gēu- : gǝu- trotz der häufigen Stufe *gū- nicht sicher steht; unklar hom. ἀμφίγυος, Beiwort des Speeres, und ἀμφιγυήεις, Beiwort des Hephaistos;

    mnd. nnd. kūse `Kolben, Keule; Backenzahn', norw. dial. kūs `Buckel'; schwed. kusa `cunnus'; anord. kjōss f. `Tasche', kjōss m. `Bucht, Höhlung', farø. kjōs f. `Kropf', schwed. kjusa `Talschlucht', kjus `Ecke eines Sackes' u. dgl., norw. kȳsa (*keusiōn-) und køysa (*kausiōn-) `Haube, Kapuze'.

References: WP. I 555 ff., WH. I 112 f., 311, 629, 852, Trautmann 80, 100 f.
Pages: 393-398
PIE database: PIE database
Number: 582
Root: ĝeu-, ĝeu̯ǝ- (daneben geu̯ǝ-)
English meaning: to advance; to hurry
German meaning: `fördern, eilen'?
Material: Ai. junā́ti `treibt zur Eile, treibt an, facht an', jávate `eilt', jūtá-ḥ `eilend', jū- `schnell', jūtí `Schnelligkeit, Aufmunterung', javín `eilend', javá- `eilend, schnell', jáviṣṭha-ḥ `der rascheste', m. `Eile, Schnelligkeit', jávas- `Schnelligkeit', jávana-ḥ `treibend, anregend';

    av. zavah- n. `Kraft, Stärke', zāvar- n. `(physische) Kraft, Stärke' (bes. der Füße und der Rosse), npers. zōr `Kraft', bal. zūt `schnell', av. zǝvīštya `der eiligste, rascheste, der förderlichste', uzutay- `hervoreilend, hervorsprudelnd';

    daneben auf idg. geu̯ǝ- weisend: av. java `eile'; npers. zūd `schnell' kann zu ar. oder ž gehören;

    vielleicht zu anord. keyra `fahren, treiben, werfen, reiten';

    skr. žúriti se `sich eilen', von Trautmann 80 zu gȕriti se `sich zusammenziehen' gestellt, vielleicht trotz des unklaren Anlauts hierher.

References: WP. I 555.
Pages: 399
PIE database: PIE database
Number: 583
Root: g(e)u-lo-
English meaning: glowing coals
German meaning: `glühende Kohle'
Material: Mit l-Suffix:

    ir. gúal `Kohle' (< *geulo- oder *goulo-);

    aisl. kol n. `Holzkohle', ags. col m. `Kohle', engl. coal, afries. kole f., ahd. kolo m., auch kol n., mhd. kol n., kol(e) m., kole f., schweiz. cholle `glimmen'.

    Dazu mit r-Suffix (oder erst aus *gulo- nach arm. hur `Feuer' umgebildet):

    arm. krak `Feuer, glühende Kohlen' (< *guro-, *gurā-), krak-aran `Herd, Feuerbecken, Glutpfanne'.

References: WP. I 563. Andere Möglichkeiten bei W. Schulze Kl. Schr. 479.
Pages: 399
PIE database: PIE database
Number: 584
Root: ĝeus-
English meaning: to taste; to enjoy
German meaning: `kosten, genießen, schmecken', im Germ. und Kelt. `wählen', im Indo-Iran. und Alban. `lieben'
Derivatives: nominal ĝus-ti-s, ĝus-tu-s
Material: Ai. jṓṣati, juṣátē `kostet, genießt, liebt', jōsáyatē `findet woran Vergnügen', jṓṣa- `Zufriedenheit, Billigung, Genüge', av. zaoš-, apers. dauš- `Geschmack woran finden', av. zaošō `Gefallen', zuštō `beliebt, erwünscht'; khotan-sak. ysūṣḍē `er schätzt', ysua, ysuyān (ys = z) `Leckerei';

    gr. γεύομαι `koste, genieße' (davon γεύω `lasse kosten');

    alb. desha `ich liebte', Präs. do dua (*ĝēus-n-, Jokl IF. 37, 101 f.);

    n-Präs. lat. dēgūnō, -ere `kosten' (*gus-nō);

    air. asa-gū (*ĝus-s-t) `ег wünsche' (ad-gūsi, asa-gūssi `er wünscht', s. zur Form Pedersen II 549), do-goa (*ĝus-ā-t) `er wählt', Verbaln. togu `wählen, Wahl', Prät. dorōigu `elegit' (*to-ro-ĝi-ĝēus-t), Pokorny IF. 35, 177 ff., usw. (s. Pedersen aaO.);

    got. kiusan `prüfen, erproben', anord. kjōsa `wählen, wünschen' (auch `durch Zauberei beeinflussen', ahd. as. kiosan `schmecken, prüfen, wählen', nhd. kiesen, Kaus.-Iter. got. kausjan `prüfen, kosten, schmecken' (= ai. iōšáyatē); vgl. ags. wæl-céasig `leichenwählend' (vom Raben).

    Nomen actionis auf ti-: ai. júṣṭi-ḥ `Liebeserweisung, Gunst', got. ga-kusts f. `Prüfung', afries. kest, ags. cyst m. `Gegenstand einer Wahl, Vorzüglichkeit' (aber gr. γευ̃σις erst einzelsprachliche Bildung von γεύομαι aus): auf tu-: lat. gustus, -ūs `das Kosten, Genießen', kelt. *gustu- `Wahl' in den Namen ir. Oengus, Fergus, acymr. Ungust, Gurgust und in air. guss `Tüchtigkeit, Kraft', got. kustus `Prüfung', ahd. as. kust m. `Prüfung, Schätzung, Wahl, Vortrefflichkeit', anord. kostr, -ar `Wahl, Willkür, (gute) Eigenschaft'; Ableitung vom Partiz. *gus-tós: lat. gustō, -āre `kosten, genießen'= ahd. as. kostōn `kosten, versuchen', ags. costian `versuchen, plagen', anord. kosta, -aða `prüfen, sich anstrengen, erstreben'; altes Nomen actionis ist *kuriz in ags. cyre m. `Wahl, Urteil', ahd. kuri f. ds. (nhd. Kur-fürst, Will-kür), mit Übergang ins Neutrum anord. kør `Wahl', ags. ge-cor `Entscheidung', abgeleitet ahd. korōn `gustare, probare'.

References: WP. I 568 f., WH. I 628 f., Feist 312 f.
Pages: 399-400
PIE database: PIE database
Number: 585
Root: g(i̯)eu-, ĝ(i̯)eu-
English meaning: to chew
German meaning: `kauen'
Material: Npers. jāvīdan `kauen', afgh. žōvạl, žōyạl ds., `beißen, nagen' (iran. *jyav-);

    arm. kveni `Pechföhre, Lärche';

    aisl. tyggja, -va `kauen' (für *kyggja nach tǫgla `kauen'), schwed. tugga, ags. cēowan, nengl. chew, mnd. keuwen, ahd. kiuwan, mhd. kūwen `kauen' (*kewian); ahd. kewa, mhd. kiuwe f. `Kiefer, Kinnbacken'; abgeleitet: ags. cēace, afries. ziāke f. (*keukōn) und afries. kēse `Backenzahn', mnd. kǖse, mnl. kūze, ablautend mnl. kieze ds.;

    baltoslav. *ži̯aui̯ō `kaue' in:

    lit. žiáunos f. Pl. `Kiefer', lett. žaũnas f. Pl. `Kiefer, Kinnladen, Kiemen';

    r.-ksl. žuju (*zjou-) und žьvǫ, žьvati (*zjьv-), ačech. žiji, žváti, russ. žujú, ževátь `kauen'; dazu (aus baltoslav. *ži̯áunā) bulg. žúna f. `Lippe' und skr. žvȁlo n. `Rachen, Engpaß', žvà́le f. Pl. `Gebiß am Zaume'; russ. žvákatь `kauen', žvak `Lärchenharz als Zahnputzmittel';

    toch. AB św-ā-tsi `essen' (Pedersen Toch. Sprachg. 43);

    vgl. ferner gʷīu̯- `Harz'.

References: WP. I 642, WH. I 601, Trautmann 372, Lidén Ann. Acad. Scient. Fennicae 27, 119.
Pages: 400
PIE database: PIE database
Number: 586
Root: glag- oder glak-
English meaning: milk
German meaning: `Milch'
Grammatical comments: Nom. glakt n.
General comments: nur gr. und lat.
Material: Gr. γάλα, γάλακτος n. `Milch'; ursprünglich wahrscheinlich *γλακτ, Gen. *γλακτός (vgl. γλακτο-φάγος), daraus *γλάκ, *γλακτός (daher γλακω̃ντες μεστοὶ γάλακτος Hes. und γλακκόν γαλαθηνόν Hes., wohl ein Kinderwort mit hypokoristischer Geminata wie μικκός), weiter *γλά, mit Vokalentfaltung im einsilbigen Wort (wohl im Kindermund, woher auch die Anfangsbetonung:) γάλα, wonach auch γάλακτος statt *γλακτός. Die Form hom. γλάγος (περιγλαγής, später γλαγάω), andrerseits dissimiliert kret. κλάγος, geht vielleicht auf Nom. *γλαγ < *γλακ zurück.

    Lat. lac, lactis n., mit dissimilatorischem Schwund des anlaut. Gutturals aus *glact = gr. γάλα; alt- und spätlat. i-St. lacte, vgl. Pl. lactēs f. `Milch der männlichen Fische'; abgeleitet dēlicus (*dē-lac-os) `der Muttermilch entwöhnt'?

    Über altchin. lac (*glac) aus idg. *galakt s. Karlgren DLZ. 1926, 1960 f.

References: WP. I 659, WH. I 337 f., 741 f.
Pages: 400-401
PIE database: PIE database
Number: 587
Root: gleĝ-
English meaning: soft, tender
German meaning: `weich, zart'
Material: Nasaliert in aisl. kløkkr `weich, biegsam, nachgiebig, sentimental' (aus *klinku̯az), aisl. kløkkva `weich werden, Mutlosigkeit oder Trauer zeigen, stöhnen', schwed. kläcka `erschrecken'(*klinkwan), adän. kliunka ds., dän. klynke `wimmern', vgl. dazu das Kausativ anord. kløkkva `weich machen', schwed. dial. kläkka `schmelzen' (*klankwjan); ndd. klinker `zart, schwach, mager';

    lit. glẽžnas `zart, weich, schlapp', gležnùs ds., glęžtù, gležaũ, glèžti `weich, schlaff, welk werden', lett. glęzns;

    bulg. glézъ, glezíl `verziehe, verzärtele', razgléza `Verderbtheit, Ungezogenheit'.

References: WP. I 661.
Pages: 401
PIE database: PIE database
Number: 588
Root: ĝlei-
English meaning: to run up to
German meaning: `anlaufen, anstürmen'?
General comments: Nur indoiranisch.
Material: Ai. jráyati `stürmt an, läuft an', jráyas- n. `Ungestüm, Lauf, Flußlauf', pr̥thu-jráya- `weit laufend';

    av. zrayah-, apers. drayah- `See, Meer', mpers. zray, npers. (mit Umstellung) daryā, pǝrǝu-zrayah `über weite Wasserflächen sich erstreckend'.

References: WP. I 660, WH. I 608.
Pages: 401
PIE database: PIE database
Number: 589
Root: gleubh-
English meaning: to cut, slice, pare
German meaning: `schneiden, klieben, schnitzen, abschälen'
Material: Gr. γλύφω `schnitze aus, meißle aus, graviere', γλυφίς, -ίδος f. `Kerbe';

    lat. glūbō, -ĕre `abschälen, bes. ein Tier abdecken', glūma `Hülse, Schale, Balg des Getreides'(Formans -smā; glūbō mit ū = eu, wie nhd. klieben);

    ahd. klioban, ags. cleōfan, anord. kljūfa `spalten', anord. klauf f. `Kluft, der gespaltene Huf', schwundstuf. anord. klofna, -aða `sich spalten', klyfia klufða `spalten', klof n. `Kluft, Spalt', klofi m. `Türkloben, Klemme', = as. kloƀo m. `gespaltener Stock, Kloben zum Vogelfang' = ahd. klobo `gespaltener Stock zum Einklemmen oder Fangen, Kloben', ags. clofe f. `Schnalle', clufu f. `Zwiebel', ahd. klobo-louh, nhd. mit Dissimilation Knoblauch, ahd. kluppa f. `Zange, gespaltenes Holz zum Klemmen', nhd. Kluppe (*klubjōn-), anord. klyf f. `der zweigeteilte Packsattel', ahd. kluft, nhd. Kluft; nach Wissmann (Nom. postverb. 129 f.) mit expressiv gedehnter Tiefstufe ū: ahd. klūbōn `zerpflücken', nhd. klauben (dazu wohl mit germ. intensiver Konsonantenschärfung anord. klȳpa `klemmen, kneifen');

    apr. gleuptene `Streichbrett am Pfluge, das die aufgerissene Erde umwendet'; aber lit.glaudýti `aushülsen' hat wohl das -d von gvaldýti `aushülsen, entkernen' bezogen, genau so, wie gvalbýti ds. sein -b- von *glaubýti bezogen hat.

References: WP. I 661, WH. 1 610 f.
Pages: 401-402
PIE database: PIE database
Number: 590
Root: glōgh- : glǝgh-
English meaning: spike
German meaning: `Stachel, Spitze'
Material: Gr. γλω̃χες `Hacheln der Ähren', γλωχΐς, -ι̃νος f. `Spitze', γλω̃σσα, att. γλω̃ττα, ion. γλάσσα `Zunge' (ursprüngl. Nom. *γλω̃χι̯ᾱ Gen. γλαχι̯α̃ς);

    serb.-ksl. (usw.) glogъ `Dorn';

    vielleicht anord. kleggi `Bremse' als `stechendes Tierchen', oder als *klajjan- `sich festklebendes, sich anklammerndes' zu idg. glei-, s. gel-1 `ballen' Erweiterung gl-ei-, S. 363.

References: WP. I 662, Trautmann 91, Schwyzer Gr. Gr. I 474, 3.
Pages: 402
PIE database: PIE database
Number: 591
Root: gol-1, dehnstufig gōl-, reduktionsst. gol-
English meaning: to lie; den (of animals)
German meaning: `liegen; Lager, Tierlager'
Material: Arm. kalaɫ `Höhle, Schlupfwinkel oder Lager wilder Tiere';

    gr. γωλεός `Höhle, Grube';

    aschwed. kolder (= aisl. *kollr aus *kolþaR), norw. dial. kold, kuld m. und f. (*kolðṓ) `ein Wurf von Tierjungen, ein Nestvoll Eier, Kinder aus derselben Ehe (eigtl. demselben Bette)';

    lit. guõlis `Lager, Schlafstatt', lett. guõl'a `Lager, Nest'; lit. guliù (gulú), gul̃ti `sichlegen, zu Bette gehen', lett. gul̃t `sich schlafen legen', lit. guliù, gulė́ti `liegen', lett. gul'a `Lager, Schlafstelle', lit. gulta, gultė `Tierlager';

    guõlis (und allenfalls das auf *gōlei̯-ós zurückführbare γωλεός) mit der bei i-St. häufigen Dehnstufe; balt. gul-, arm. kal- aus Red.-St. gol-.

    Wegen lit. gvalis (Szyrwid) = guõlis, gvalà, gvalù Adv. `liegend', gval̃sčias = gul̃sčias `liegend', gvalìni torà = gulsčiu kartẽlų tvorà (Kvė́-darna, wo uo zu ū geführt hätte) will Trautmann KZ. 42, 373 die Wz. als *gu̯ol- (Dehnstufe *gōl- aus *gu̯ōl- mit idg. Verlust des ;gul- dann = idg. *gul-) ansetzen; mir scheinen die lit. gval-Formen einzelsprachliche Erklärung zu heischen. Vgl. aber Trautmann Bsl. Wb. 93 f.

References: WP. I 639 f., Trautmann 93 f.
Pages: 402
Number: 592
Root: gol-2
English meaning: branch
German meaning: `Zweig, Ast'
Material: Arm. koɫr `Ast, Zweig'; russ. golьjá `Zweig' (usw., s. Berneker 326).
References: WP. I 640, Meillet MSL. 11, 185.
Pages: 403
PIE database: PIE database
Number: 593
Root: gō̆u-, gou̯ǝ-, gū-
English meaning: to call, cry
German meaning: `rufen, schreien'
General comments: (onomatopoetisch)
Derivatives: gō̆u̯ā `Krähe'
Material: Ai. gavatē (nur Dhatup.) `tönt', Intens. jṓguvē `lasse laut ertönen, spreche laut aus', jṓgū- (Gen. Pl. jṓguvām) `laut singend', gaŋ-gū-yáti `stößt Freudenschreie aus';

    gr. γό[]ος `Klage', γοάω `wehklage', γόης, -ητος `Zauberer (incantator)';

    vielleicht hierher lat. gāvia f. `Möwe' (? s. Persson Beitr. 897 f.).

    ahd. gikewen `nennen, heißen', ags. cīegan `rufen' (*kaujan); ahd. kūma f. `Wehklage', kūmo `mit Mühe', nhd. `kaum', dazu mhd. kūme `(*kläglich, klagend) schwach, gebrechlich', ahd. kūmīg `schwach, krank', mnd. kǖme `matt', ags. cȳme `fein, schön', schwed. (gotl.) kaum n. `Jammer'; norw. dial. kauka `das Vieh mit Rufen locken'; als Grundlage von Tiernamen in mndl. cauwe `Dohle', ahd. kaha, `cornix', dän. kaa `Dohle' (*kavā) und in ags. cȳta m. `Rohrdommel', mhd. kūze, nhd. Kauz `Eule', vgl. mit gleichem Formans isl. kýta `zanken', mnd. kūten (daraus mhd.kūten, kiuten) `schwatzen'; ndd. köter aus urgerm. *kautāri, oder als `Bauernhund' zu ndd. kot `Hütte' (oben gēu- S. 394);

    lit. gaujà `Rudel von Hunden, Wölfen', gaudžiù, gaũsti `dumpf tönen' (*goudi̯eti), ablaut. gúodžiu, gúosti `trösten', reflex. `sich beklagen' (*gōudi̯eti); gaudùs `wehmütig', lett. gauda `Klage', gàust `jammern', gavilêt `jauchzen' (die balt. Worte könnten auch zu *ĝhau- `rufen' gehören, wie auch z. B. anord. gauð `Bellen');

    slav. *gǫdǫ, *gǫsti (gebildet wie *grędǫ und lat. jungō) in russ.-ksl. gudu, gusti, κιθαρίζειν', klr. hudú, hustý `spielen', skr. alt gúdêm, gústi `spielen; dumpf schallen', poln. alt gędę, gąść `geigen, musizieren';

    aksl. govorъ m. `Lärm', govoriti `lärmen' (russ. usw. auch bes. `sprechen'), wozu ablaut. russ.-ksl. gvorъ (*gъvorъ) m. `Wasserblase', poln. gwar (*gъv-arъ) m. `Lärm, Geräusch', dehnstufig čech. havořiti `reden, plaudern', klr. hava `Krähe' (vgl. oben germ. *kău̯ā), sloven. gâvǝc `Kiebitz', und auf Grund eines *gou-tā `Rede' mit demselben Formans wie govorъ auch russ. gútor `Unterhaltung, Scherzrede'.

References: WP. I 634 f., WH. I 584 f., Trautmann 80 f.
Pages: 403
PIE database: PIE database
Number: 594
Root: gou̯ǝ- (oder gau̯ǝ-?:) gū-
English meaning: hand; to grab
German meaning: `Hand; ergreifen, einhändigen'
Material: Av. gava Du., gavō Akk. Pl. `Hände'; av. gūnaoiti `verschafft', gaona- m. `Gewinn' (s. unten lit.gáunu);

    gr. *γυᾱ vorausgesetzt von ἐγ-γυάω `händige ein, verlobe'; Med. `verbürge mich (= gebe meine Hand worauf)'; postverbal ἐγγύη `Pfand', ἔγγυος `gesichert', Subst. `Bürge'; ὑπόγυος, ὑπόγυιος `(unter den Händen =) bereit, frisch'; ἐγ-γύ-ς `nahe' (wie lat. comminus), ἐγγύθι, ἐγγύθεν und μεσσηγύ, -γύς `inmitten' (`zwischen den Händen'); ἔγγυος `gesichert', eigentl. `in den Händen (?)', s. Schwyzer Gr. Gr. I 6203; vgl. aber ἔγγυαλίζω (oben unter gēu- S. 397), γυι̃ον (unter gēu- S. 398);

    lit. gáunu, gáuti `erlangen, bekommen' (gáudyti `nachstellen'), apr. po-gaunai `empfängt', Inf. pogaut, Partiz. Perf. gauuns `empfangen', lett. gūnu, gūt `haschen, fangen', gūvejs `Gewinner', lit. gaũklas m. `Erwerb', guvùs, gavùs `flink, geschickt';

    aksl. o-, po-gymati `betasten' (auf Grund eines *gy-mā `das Anfassen'?).

References: WP. I 636 f., Trautmann 101.
See also: S. auch unter geu-1.
Pages: 403-404
PIE database: PIE database
Number: 595
Root: gras- : grō̆s-
English meaning: to gnaw, to devour
German meaning: `fressen, knabbern'
Material: Ai. grásatē `frißt (bes. von Tieren), verschlingt' (*grasō), grāsa-ḥ `Mundvoll, Bissen Futter';

    gr. γράω `nage, fresse' (= ai. grásati) γράστις `Grünfutter' (att. κράστις durch Angleichung an die tonlose Binnenkonsonanz), γάστρις `Schlemmer', γράσος m. `Bocksgeruch' aus *γράσ-σος (ursprüngl. Bock als Nager, wie τράγος : τρώγω, τραγει̃ν), γαστήρ f. `Bauch' (*γρασ-τήρ `Fresser', vgl. κραστήριον `Pferdekrippe', assimil. aus γραστ-; γάστρα `Bauch eines Gefäßes'); redupl. auf Grund eines *γαγ-γράειν `fressen': γάγγραινα `fressendes Geschwür'; γρω̃νος `ausgefressen, ausgehöhlt' (*grō̆s-no-s), γρώνη `Höhlung, Backtrog' (vgl. τρώγλη `Höhle': τρώγω);

    lat. grāmen (*grasmen) n. `Gras' (bes. als Futterkraut); über germ. gras vgl. unten ghrē-.

References: WP. I 657 f., WH. I 616 f.
Pages: 404
PIE database: PIE database
Number: 596
Root: grēb(h)o-s : grōb(h)o-s
English meaning: hornbeam
German meaning: `Weißbuche', teilweise Deckwort für `Eiche'
Grammatical comments: m.
Material: Maked. (illyr.) γράβιον `Fackel' (`Eichenholz'?);

    ven. ON Grēbia, illyr. VN Grabaei, PN Γρα̃βος, Γράβων;

    umbr. GN Grabovius (== poln. grabowy, s. unten) `Eichengott' (altumbr. Krapuvi, neuumbr.Grabovie, Dat.) aus illyr. grāb- (älter grēb-) entlehnt;

    ebenfalls illyr. Lw. ist lat. grabātus `Bett' (*aus Eichenholz) aus gr.-illyr. κράβ(β)ατος ds.

    grōb(h)o-s:

    Bsl. graba- m. `Weißbuche' in:

    apr. wosi-grabis `Spindelbaum', lett. ON Gruõbina (gruõbas);

    skr. grȁb, russ. grab, poln. grab `Weißbuche', grabowy `zur Buche gehörig';

    vielleicht zu gerebh- `ritzen'.

References: WH. I 171, 614 f., 855, Krahe IF. 59, 63 ff.
Pages: 404
PIE database: PIE database
Number: 597
Root: gred- : grod-
English meaning: to scratch
German meaning: `kratzen'?
General comments: Nur alb. und germ.
Material: Alb. gërrusë, gërresë, krūs(ë) `Schabeisen' (aus dessen Vorstufe stammt lat. grosa ds.), zum dehnstuf. Präs. gërruanj, kruanj, kruj, auch gërruëj, gërüj `kratze, schabe' (aus *grōd-, idg. grēd-);

    anord. krota (*gr̥d-) `eingravieren', ablaut. (mit Intensivgemination) aschwed. kratta `(zer)kratzen', ahd. krazzōn, mhd. nhd. kratzen ds. (germ. *krattōn), neben den j-Verben mnl.cretten (und cretsen), mhd. kretzen ds., kretze `Krätze';

    hierher mit expressivem Vokalismus ahd. krizzōn, mhd. kritzen `einritzen, kritzeln', ebenso mhd. krīzen `eine Kreislinie ziehen', mit sekundärem Ablaut ahd. mhd. kreiz (*kraita-) `Kreis' (`*eingeritzter Zauberkreis'); expressiv wohl auch die s-Erweiterung in ndd. kratsen, krassen `kratzen'.

   

References: WP. I 607, 651, WH. I 622 f., Wissmann Nom. postverb. 175 f.
Pages: 405
PIE database: PIE database
Number: 598
Root: grem-
English meaning: damp; to sink
German meaning: `feucht (sein), untertauchen, untersinken'
Material: Lat. grāmiae f. Pl. `Augenbutter', oculi grammōsi `Triefaugen';

    aisl. kramr `feucht, halbgetaut (vom Schnee)', vielleicht auch got. qrammiþa `Feuchtigkeit', wenn für *krammiþa;

    aksl. grьměždь `Augenbutter';

    baltoslav. Wurzelerweiterung gremd-:

    in lit. grimstù (*grimzdù), grimzdaũ, grim̃sti `unter-, versinken', gramzdė́ti ds., Kausat. gramzdinù, gramzdìnti `versenken', gramzdùs `tief einsinkend, versonnen', lett. grim̃stu, grim̃t `sinken', Kausat. grèmdêt `versenken';

    aksl. pogręznoti `im Wasser untersinken', ksl. gręza `Kot', russ. grjáznutь `im Kot versinken', grjazь `Kot, Schmutz', skr. grȅznuti `einsinken', poln. grzęznąć, grząznąć `untersinken'; Kausat. aksl. pogrǫžǫ, pogrǫziti `untersinken, untertauchen', russ. gruzítь `versenken, eintauchen, befrachten'.

References: WP. I 654 f., WH. I 617, Trautmann 97 f.
Pages: 405
PIE database: PIE database
Number: 599
Root: greus-1
English meaning: to crackle, crush
German meaning: `knirschen, mit kratzendem Geräusch über etwas fahren und es zermalmen, krachend schlagen'
General comments: (und andere Schallbezeichnungen)
Material: Got. krius-tan `knirschen', krusts `das Knirschen', aschwed. krȳsta `Zähne knirschen' und `quetschen', ahd. krustila, nhd. Krustel, Krostel `Krachbein';

    ahd. krus-k `furfur', nhd. Krüsch `Kleie' (auch Grüsch, Grüst durch Kreuzung mit Gries, Grütze);

    ahd. kros-pel, nhd. Kruspel, Krospel `Knorpel', kruspeln `knirschend zerbeißen';

    lit. grukšė́ti `knirschen, knistern, vom Sand' (k-Einschub?; über gráužas `Graus, Kies' u. dgl. s. am Ende von *ghrēu-2);

    serb. grúhati `krachen (von der Kanone), mit Krachen schlagen; durch Schlagen enthülsen', grúšiti `stoßen, enthülsen', sloven. grûh `Steingerölle', grúša `grober Sand', russ. grúchnutьsja `mit Geräusch zusammenstürzen', usw.

References: WP. I 650 f.
Pages: 405-406
PIE database: PIE database
Number: 600
Root: greus-2
English meaning: to burn, smoulder
German meaning: `brennen, schwelen'??
Material: Gr. γρῡνός oder γρουνός `dürres Holz, Fackel', Γρύνειον, Γρυ̃νοι `Stadt in der Äolis';

    lit. gruzdė́ti, grùzti, lett. gruzdêt, grust `schwelen, glimmen'; doch ist ganz fraglich, ob die gr., schlecht bezeugten Worte ursprüngl. nicht eher `Gehölz u. dgl.' bedeutet haben.

References: WP. I 651, Persson Beitr. 129.
Pages: 406
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